
Altern ist keine Krankheit, sondern ein natürlicher Prozess, der eine Reihe von Veränderungen im Körper mit sich bringt. Sowohl bei Hunden als auch bei Katzen ist ein höheres Alter mit einer größeren Wahrscheinlichkeit verbunden, an chronischen Krankheiten zu leiden, die – auch wenn sie nicht immer offensichtlich sind – kleine Spuren im Alltag hinterlassen.
Diese Signale rechtzeitig zu erkennen, kann den Unterschied ausmachen zwischen einem Alter voller Beschwerden und einer Lebensphase, in der unsere Begleiter Komfort, Pflege und Lebensqualität genießen.
Ein Hund, der knurrt, wenn man ihn streichelt, oder eine Katze, die sich plötzlich zurückzieht, ist nicht einfach „schlecht gelaunt“. Sehr oft sind solche Verhaltensänderungen die frühesten Warnzeichen für organische Erkrankungen.
Das Verhalten eines Tieres ist eng mit seinem körperlichen Gesundheitszustand verknüpft. Veränderungen im Charakter, in der sozialen Interaktion oder im Tagesablauf können Anzeichen für chronische Schmerzen, hormonelle Ungleichgewichte, neurologische Störungen oder sogar stille organische Krankheiten sein.
Gerade bei älteren Tieren werden diese Zeichen oft als „normales Altern“ fehlinterpretiert, obwohl sie wertvolle Hinweise darauf sind, dass innerlich etwas nicht stimmt.
Sie zu ignorieren, kann wichtige Diagnosen verzögern.
• Systemische Erkrankungen als Ursache für Verhaltensprobleme bei Katzen: Studie, die Arthrose, Niereninsuffizienz und endokrine Erkrankungen mit Verhaltensänderungen in Verbindung bringt.
https://www.mdpi.com/2813-9372/2/2/21
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• A Review of Medical Conditions and Behavioral Problems in Dogs and Cats:
Übersichtsarbeit, die verschiedene systemische Erkrankungen (endokrin, neurologisch, Schmerz usw.) mit Verhaltensveränderungen bei Hunden und Katzen verbindet.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6941081/
Tiere äußern Schmerzen nicht so wie Menschen. Sie jammern selten hörbar, aber Körpersprache und Verhalten sprechen Bände.
Ein Hund, der morgens nur schwer aufsteht, eine Katze, die ihren Lieblingsplatz auf dem Sofa meidet, oder ein Tier, das sich nicht mehr gern anfassen lässt – all das sind Beispiele dafür, wie Schmerz sichtbar wird. Häufig beobachtet man auch Steifheit nach dem Ruhen, Spielverweigerung, Stimmungsschwankungen oder Schlafstörungen.
Wusstest du das?
Ein plötzlicher Wechsel des Toilettenverhaltens bei Katzen – etwa wenn sie das Katzenklo meiden oder daneben urinieren – ist nicht immer Trotz oder Stress: Er kann auf Gelenkschmerzen, Harnwegsinfektionen oder sogar kognitive Störungen hinweisen.
Katzen, die als kleine Beutegreifer zugleich Beutetiere größerer Räuber sind, verbergen Schwächen instinktiv.
Katzen mit Arthrose hinken selten: Sie springen einfach nicht mehr oder schlafen an tieferen Stellen.
Katzen mit chronischen Zahnschmerzen pflegen sich weniger, ziehen sich zurück und meiden Gesichtsberührung.
Das ist kein „schlechter Charakter“ – das ist Unbehagen.
Hinter diesen Anzeichen verbergen sich viele altersbedingte Krankheiten. Arthrose und degenerative Gelenkerkrankungen (siehe Artikel ES – 010 – Geriatría – II.B.1 – Artrosis, signos y diagnóstico en mascotas mayores) sind die häufigsten Ursachen, besonders bei großen Hunden, aber auch Katzen sind oft betroffen.
Chronische Zahnerkrankungen wie Parodontitis oder FORL-Läsionen verursachen anhaltende, stille Schmerzen, die oft unbemerkt bleiben.
Nicht zu vergessen sind chronische Verdauungsstörungen (z. B. Pankreatitis oder entzündliche Darmerkrankungen), die ständiges Unwohlsein erzeugen, ebenso wie Neoplasien oder Tumoren, die lokalen oder generalisierten Schmerz hervorrufen können.
Wichtig ist: Chronischer Schmerz darf nie als „normale“ Alterserscheinung gelten, denn es gibt Behandlungen, Nahrungsergänzungen und Therapien, die ihn kontrollieren und die Lebensqualität deutlich verbessern.
Die Schmerzeinschätzung sollte ein wesentlicher Bestandteil jeder Konsultation sein, insbesondere bei geriatrischen Tieren.
Hilfsmittel wie angepasste Schmerzskalen für Hunde und Katzen helfen, die „unsichtbaren“ Fälle zu erkennen.
Oft genügt es, eine Analgetikatherapie oder ein Gelenkpräparat zu beginnen, damit das Tier sein gewohntes Verhalten schon nach wenigen Tagen wieder annimmt.
• Bewertung des Verhaltens bei chronischen Schmerzen beim Hund: erklärt, wie chronischer Schmerz Verhaltensänderungen verursachen kann, noch bevor körperliche Symptome sichtbar sind.
https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fvets.2024.1374858/full
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• Verhaltensanalyse als diagnostisches Werkzeug bei chronischen Schmerzen: Frontiers in Veterinary Science beschreibt den Zusammenhang zwischen anhaltendem Schmerz und subtilen Verhaltensänderungen bei geriatrischen Haustieren.
https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fvets.2024.1374858/full
Diese hormonellen Ungleichgewichte bleiben oft unentdeckt, wenn keine gezielten Bluttests durchgeführt werden.
Die gute Nachricht: Sobald sie erkannt werden, lassen sie sich leicht mit einer Hormontherapie und angepasster Ernährung behandeln.
Die Hypothyreose ist eine der häufigsten endokrinen Erkrankungen bei älteren Hunden.
Sie entsteht durch eine unzureichende Produktion von Schilddrüsenhormonen, wodurch sich der Stoffwechsel verlangsamt.
Tierhalter bemerken häufig, dass ihr Hund müder als sonst wirkt, weniger Bewegungsfreude zeigt und leichter zunimmt, obwohl er nicht mehr frisst als zuvor.
Das Fell verliert an Glanz, Haarausfall tritt auf, manchmal sogar symmetrische kahle Stellen. Die Haut wird trocken und schuppig, und wiederkehrende Hautinfektionen sind keine Seltenheit.
Ein weiteres typisches Anzeichen ist Kälteempfindlichkeit – betroffene Hunde suchen ständig warme Plätze auf.
Das Positive an dieser Erkrankung ist: Bei frühzeitiger Diagnose und richtiger Behandlung lassen sich die Symptome weitgehend beheben, und der Hund gewinnt deutlich an Vitalität.
• Verhaltensmanifestationen der kaninen Hypothyreose: Wissenschaftliche Übersicht, die Veränderungen der Stimmung, Apathie und Aggressivität bei Hunden mit Hypothyreose untersucht.
https://www.mdpi.com/2076-2615/9/12/1133
Bei Katzen ist die häufigste Schilddrüsenerkrankung das Gegenteil: Hyperthyreose, also eine Überproduktion von Schilddrüsenhormonen.
Dadurch wird der Stoffwechsel künstlich beschleunigt.
Tierhalter sind oft überrascht, weil ihre Katze nicht lethargisch, sondern überaktiv, nervös oder sogar hyperaktiv wirkt.
Viele Katzen fressen gierig oder ängstlich, verlieren dabei aber dennoch kontinuierlich Gewicht.
Erbrechen oder wechselnde Durchfälle sind keine Seltenheit, und das Fell wirkt ungepflegt, struppig und glanzlos.
Manche Katzen miauen vermehrt, vor allem nachts, was die Familie verwirrt.
Auch wenn es so aussieht, als sei die Katze „wieder jung geworden“, handelt es sich um eine Erkrankung, die den Körper stark belastet und unbehandelt Herz, Nieren und Leber schädigen kann.
Auch das Herz altert, und mit der Zeit kann seine Pumpkraft nachlassen.
Bei älteren Hunden – insbesondere bei prädisponierten Rassen – ist Herzinsuffizienz eine häufige Diagnose.
Nächtlicher Husten ist eines der typischsten Symptome bei Hunden mit Herzproblemen.
Katzen husten dagegen selten, zeigen aber Hecheln, Schwäche und Antriebslosigkeit.
Tierhalter bemerken, dass das Tier schneller ermüdet, nach Spaziergängen stark hechelt oder einen anhaltenden Husten entwickelt, der sich nachts verstärkt.
In fortgeschrittenen Stadien kann sich der Bauch aufblähen (Aszites) oder es treten kurze Ohnmachtsanfälle (kardiale Synkopen) auf.
Auch wenn Herzinsuffizienz nicht heilbar ist, ermöglichen moderne Therapien eine deutliche Symptomkontrolle und verlängern die Lebensqualität sowie -dauer der betroffenen Tiere erheblich.
Unter den geriatrischen Erkrankungen nimmt die chronische Niereninsuffizienz einen zentralen Platz ein, besonders bei Katzen.
Mit der Zeit verlieren die Nieren ihre Fähigkeit, Giftstoffe aus dem Blut zu filtern, was zu auffälligen Symptomen im Alltag führt.
Bei Katzen ist sie die häufigste Ursache für einen Tierarztbesuch im höheren Alter.
Ein vermehrtes Trinken (Polydipsie) und häufigeres Urinieren (Polyurie) sind oft die ersten Anzeichen; ein Atemgeruch nach Ammoniak kann der zweite Hinweis sein.
Betroffene Tiere verlieren an Gewicht, fressen weniger und erbrechen häufiger.
Das Fell wirkt stumpf und glanzlos, und Katzen pflegen sich weniger intensiv als früher.
Früherkennung ist entscheidend: Mit spezifischen Diäten, Medikamenten und regelmäßiger Kontrolle lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung bremsen und das Wohlbefinden erheblich verbessern.
Schließlich dürfen wir das Gehirn nicht vergessen.
Wie beim Menschen können auch ältere Hunde und Katzen unter einem fortschreitenden Abbau ihrer kognitiven Funktionen leiden.
Man spricht von einer kognitiven Dysfunktion (siehe Artikel ES – 016 – Geriatría – III.B.1 – Síndrome de Disfunción Cognitiva, Síntomas en mascotas mayores) – einer Art tierischer Demenz, manchmal auch fälschlich „Hunde- oder Katzena lzheimer“ genannt.
Das Tier verliert dabei nach und nach seine Routinen und Gewohnheiten.
Tierhalter bemerken, dass ihr Tier sich im Haus verirrt, starr auf Wände blickt oder in vertrauter Umgebung verloren wirkt.
Oft verwechselt es Tag und Nacht, ist nachts unruhig und schläft tagsüber mehr.
Auch vergisst es erlernte Befehle oder Stubenreinheit.
Bis zu 60 % der Hunde über 11 Jahre zeigen Anzeichen einer kognitiven Dysfunktion.
Auch Katzen können senile Demenz entwickeln, obwohl sie seltener diagnostiziert wird.
Über dieses Syndrom hinaus kann Senilität auch mit neurologischen Problemen einhergehen: Tremor, Krampfanfälle, Sehverlust oder fortschreitende Taubheit.
Zwar gibt es keine endgültige Heilung, aber Nahrungsergänzungen, Medikamente und Umweltanreicherung können den Verlauf verlangsamen und die Lebensqualität deutlich verbessern.