
Arthrose ist keine ausschließliche Erkrankung älterer Hunde oder Katzen – sie ist das Ergebnis jahrelanger kleiner Abnutzungen, Fehlernährung, Übergewicht oder ungeeigneter Lebensgewohnheiten. Sie entsteht nicht über Nacht, sondern entwickelt sich langsam und oft unbemerkt, bis wir eines Tages feststellen, dass unser Hund nicht mehr so läuft wie früher oder unsere Katze das Klettern vermeidet.
Die gute Nachricht ist: Arthrose lässt sich vorbeugen und ihr Fortschreiten verlangsamen – wenn man rechtzeitig auf die Risikofaktoren einwirkt. Hier kommen drei grundlegende Säulen ins Spiel: die Ernährung, die Gestaltung der Umgebung und der Einsatz ergänzender Therapien, die weit über Medikamente hinausgehen.
Bei Arthrose entsteht ein gefährlicher Kreislauf: Schmerz führt zu weniger Bewegung, was wiederum Muskelmasse reduziert und häufig zu Gewichtszunahme führt. Dieses Übergewicht belastet die bereits geschädigten Gelenke zusätzlich, verstärkt den Schmerz und beschleunigt den Verschleiß.
Deshalb ist die Kontrolle des Körpergewichts das wirksamste Instrument, das wir haben. Ein Tier mit Arthrose sollte stets sein Idealgewicht halten – oder in fortgeschrittenen Fällen etwa 10 % darunter, denn jedes überflüssige Kilo vervielfacht den Gelenkverschleiß.
Jedes verlorene Kilo kann einer Reduktion der Gelenkschmerzen um 20–30 % entsprechen. Das lohnt sich!
Aber wie wissen wir, welches das Idealgewicht ist? Ein guter Anhaltspunkt ist das Gewicht, das das Tier etwa im Alter von 11 Monaten hatte, eventuell vor der Kastration.
Eine genauere, aber auch praktische Methode ist die Beurteilung des Körperzustands (Body Condition Score, BCS), bei der die Fettmenge durch Abtasten der Rippen, Taille und Schwanzwurzel eingeschätzt wird. Auf einer Skala von 1 bis 9 liegt der Idealwert meist zwischen 4 und 5. Einfach gesagt: Die Rippen sollten leicht tastbar, aber nicht sichtbar sein, und die Taille sollte von oben erkennbar bleiben.
Die Gewichtskontrolle ist entscheidend, um Arthrose vorzubeugen und zu behandeln.
Bei Eurovet kannst du dein Tier jederzeit kostenlos wiegen, und wir erstellen individuelle Gewichtskontrollpläne, besonders nützlich für junge Tiere mit orthopädischem Risiko.
Sprich mit deinem Tierarzt – ein paar Kilo weniger heute können Jahre gesunder Gelenke morgen bedeuten.
Lass den BCS-Wert deines Tieres mindestens zweimal im Jahr überprüfen: Kleine Abweichungen frühzeitig zu erkennen, ist entscheidend, um Übergewicht und stillen Gelenkverschleiß zu vermeiden.
Weder ewiges Sofaliegen noch Marathonläufe: Bewegung ist entscheidend, aber sie muss maßvoll und angepasst sein.
Sanfte, regelmäßige Bewegung gehört zu den besten Methoden, um die Gelenke funktionsfähig zu halten. Längere Inaktivität fördert Steifheit und verringert die Produktion von Synovialflüssigkeit, während übermäßige oder stoßintensive Aktivitäten gesunde Strukturen schädigen können.
Ideal ist ein gleichmäßiges Aktivitätsniveau – bei Hunden regelmäßige, ruhige Spaziergänge von moderater Dauer. Bei Katzen lässt sich die Beweglichkeit mit sanften Spielen und einer angepassten Umgebung mit Kratzbäumen oder leicht erreichbaren Strukturen fördern.
Ziel ist nicht, Rekorde zu brechen, sondern die Gelenke in Bewegung zu halten, um die Gelenkschmierung, die Muskulatur rund um das Gelenk und die stützende Muskulatur zu stärken.
Dein Tierarzt rät:
Ein häufiger Fehler, den wir regelmäßig sehen, ist das Nachholen von Bewegung am Wochenende mit langen Spaziergängen. Besser sind kurze, häufige Ausflüge!
In unserer Klinik sagen wir immer:
„Besser 5 km pro Tag als gar keine – aber noch besser sind 5 Mal 1 km über den Tag verteilt als 5 km auf einmal!“
Bei Welpen großer Rassen sollte die Bewegung noch sorgfältiger reguliert werden: Sprünge, harte Böden und Überanstrengung vermeiden.
Auch das Zuhause spielt eine entscheidende Rolle.
Man braucht kein Rehabilitationszentrum, um mit der Genesung zu beginnen – das eigene Zuhause kann zu einem therapeutischen Raum werden, wenn es sinnvoll angepasst wird.
Rutschige Böden können durch rutschfeste Teppiche ersetzt werden, hohe Betten durch Rampen, und alltägliche Hindernisse durch ergonomische Zugänge.
Bei Katzen stimulieren sichere Klettergelegenheiten wie Regale oder angepasste Kratzbäume die Muskulatur, ohne Mikrotraumen zu verursachen.
Bei Hunden ist es ratsam, wiederholte Sprünge und ständiges Treppensteigen schon in jungen Jahren zu vermeiden – eine einfache, aber wirkungsvolle Schutzmaßnahme für die Gelenke.
Die Ernährung ist eine zentrale Säule, sowohl zur Vorbeugung der Arthrose als auch zur Verlangsamung ihres Fortschreitens, sobald die Krankheit bereits besteht.
Dabei geht es nicht nur darum, „weniger Futter zu geben, damit das Tier nicht zunimmt“, sondern darum zu verstehen, dass die Ernährung den Stoffwechsel, die Entzündung und die Gesundheit des Gelenkknorpels direkt beeinflusst.
Vorbeugen ist besser als heilen – und deshalb beginnt die Prävention bei gesunden Tieren im Napf.
Eine physiologische, ausgewogene Ernährung deckt die Energie- und Nährstoffbedürfnisse, ohne Überschüsse zu erzeugen.
Welpen und Kätzchen müssen entsprechend ihrem schnellen Wachstum gefüttert werden:
Eine übermäßige Energiezufuhr oder zu kalorienreiche Diät erhöht das Risiko für Dysplasien und frühzeitige Arthrose.
Bei großen und riesigen Rassen ist dieser Aspekt besonders kritisch, da ein zu schnelles Wachstum die unreifen Gelenke überlastet.
Das Reduzieren leerer Kalorien und eine ausreichende Proteinzufuhr, insbesondere bei kastrierten Tieren oder solchen mit Neigung zu Übergewicht, sind wirksame Maßnahmen, um Arthrose vorzubeugen – ganz ohne Medikamente.
Bei erwachsenen Tieren hilft eine angemessene, ausgewogene Ernährung, das Idealgewicht zu halten.
Erinnern wir uns: Übergewicht ist der wichtigste veränderbare Risikofaktor bei Arthrose.
Ein Hund mit 20 % Übergewicht erhöht den Druck auf Hüften und Knie erheblich, und eine übergewichtige Katze kann bei jedem Sprung das Dreifache der Gelenkbelastung erzeugen.
Zudem liefern ausgewogene Diäten die richtigen Mengen an hochwertigen Proteinen, Vitaminen und Mineralstoffen, die die Integrität von Knorpel und Bindegewebe unterstützen.
Premium-Futtermittel enthalten häufig spezifische Nährstoffe zur Arthroseprävention, wie Chondroprotektiva und Omega-3-Fettsäuren.
Man kann sagen:
👉 Eine gute physiologische Ernährung ist wie eine Gelenkversicherung – man merkt sie im Alltag nicht, aber langfristig macht sie den Unterschied.
Wenn Arthrose bereits diagnostiziert wurde oder ein erhöhtes Risiko besteht (z. B. bei prädisponierten Rassen oder bestehenden Dysplasien), kommen therapeutische Diäten ins Spiel.
Sie dienen nicht nur der Gewichtskontrolle, sondern enthalten auch funktionelle Nährstoffe, die direkt die Gelenkgesundheit unterstützen.
Diese Diäten haben in der Regel eine reduzierte Energiedichte, damit das Tier eine ausreichend große Portion fressen und sich satt fühlen kann, ohne zu viele Kalorien aufzunehmen – wichtig, um Fettreduktion ohne Frustration zu erreichen.
Darüber hinaus enthalten sie Chondroprotektiva wie Glucosamin und Chondroitinsulfat, die die Knorpelmatrix-Synthese fördern und deren Abbau verlangsamen.
Häufig werden auch Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA) aus Fischöl zugesetzt, die eine nachgewiesene entzündungshemmende Wirkung auf Gelenke haben.
Tatsächlich haben klinische Studien bei Hunden gezeigt, dass Omega-3-angereicherte Diäten Lahmheit bereits nach 3 Wochen reduzieren und in vielen Fällen eine geringere Dosis an Entzündungshemmern ermöglichen.
Einige therapeutische Formeln enthalten zudem Antioxidantien wie Vitamin E und Selen, die freie Radikale neutralisieren, die im chronisch entzündlichen Prozess entstehen.
Andere beinhalten hydrolysiertes Kollagen oder bioaktive Kollagenpeptide Typ II, die auf das Immunsystem wirken, die Entzündungsreaktion modulieren und die Knorpelregeneration unterstützen.
Schließlich sind viele dieser Diäten mit L-Carnitin angereichert, das die Fettverbrennung fördert und hilft, Muskelmasse während der Gewichtsreduktion zu erhalten – ein entscheidender Punkt, da Muskeln die besten Verbündeten der Gelenke sind.
Kurz gesagt:
Therapeutische Diäten sind keine „Light-Futtermittel“ oder Modetrends, sondern echte klinische Werkzeuge, die sowohl in der Vorbeugung als auch im Management von Schmerz und Krankheitsfortschritt wirken.
Die veterinärmedizinische Physiotherapie hat sich zu einer zentralen Säule in der multimodalen Behandlung der Arthrose entwickelt.
Verschiedene Techniken, die miteinander kombiniert werden, können die Beweglichkeit verbessern, Schmerzen lindern und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen.
• Massagetherapie: die Kraft der Hände.
Therapeutische Massagen verbessern die Durchblutung, reduzieren Muskelverspannungen und fördern die Flexibilität.
Sie helfen dem Tier, sich zu entspannen, was wiederum das Schmerzempfinden verringert.
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• Kinesitherapie: geführte Bewegung.
Hierbei handelt es sich um passive und aktive Bewegungsübungen, die vom Tierphysiotherapeuten angeleitet werden.
Diese Bewegungen erhalten die Gelenkbeweglichkeit, stärken die stützende Muskulatur und beugen Muskelatrophie vor.
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• Hydrotherapie: heilendes Wasser.
Das Auftrieb des Wassers verringert die Gelenkbelastung und ermöglicht schmerzfreie Bewegung.
Das Training im Wasser stärkt die Muskulatur und verbessert die kardiovaskuläre Ausdauer – ideal für Hunde mit fortgeschrittener Arthrose.
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• Elektrostimulation: aktive Muskeln ohne Anstrengung.
Durch elektrische Impulse niedriger Intensität wird die Muskelkontraktion stimuliert.
So kann die Muskulatur erhalten und gestärkt werden, auch wenn das Tier sich nicht normal bewegen kann.
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• Lasertherapie: Licht gegen Entzündung.
Die Photobiomodulation mittels Laser reduziert Entzündungen, beschleunigt die Gewebereparatur und wirkt schmerzlindernd.
Besonders nützlich in schmerzhaften Phasen oder nach kontrollierten Bewegungseinheiten.
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Die Physiotherapie beim Tier ist weit mehr als passive Übungen – sie ist ein aktiver Ansatz, der darauf abzielt, die muskuloskelettale Funktion zu verbessern.
Durch die Stärkung der periartikulären Muskulatur, die Verbesserung der Propriozeption und den Erhalt des Bewegungsumfangs verstärkt die Rehabilitation die Wirkung medizinischer Behandlungen und senkt das Rückfallrisiko.
Sie sollte immer von einem Tierarzt mit spezieller Ausbildung in Rehabilitationsmedizin durchgeführt werden.
Arthrose wird nicht allein mit Medikamenten bekämpft, sondern durch eine ganzheitliche Strategie, die Gewichtskontrolle, spezielle Ernährung, angepasste Bewegung, eine geeignete Umgebung und unterstützende Physiotherapie kombiniert.
Jede kleine Anpassung hilft, den Teufelskreis aus Schmerz und Bewegungsmangel zu durchbrechen und unseren Tieren wieder die Freude und Würde der Bewegung zurückzugeben.